Hallo! ich bin´s, die Janina!

Dieses Foto ist vom Januar 2001, in der Zwischenzeit bin ich natürlich schon viel größer, außerdem sind meine Haare länger. Auf dem Foto bin ich gerade am Turnen, mit Annegret, meiner Bobath-Therapeutin.

Ich möchte euch ein wenig von mir erzählen. Also am 4. August 1993 kam ich auf die Welt. Das war schon komisch. Ich hab mich, zusammen mit meiner Schwester Sabrina, in Mamas Bauch eigentlich noch ganz wohl gefühlt. Raus wollte ich auch noch garnicht. Plötzlich wurde es hell, da standen einige Ärzte rum, die hatten Mama´s Bauch aufgeschnitten, erzählten irgendwas von EPH-Gestose, und dass ich ganz schnell raus müsste. Ich war damals übrigens 42 cm groß, und habe 1800 gr. gewogen. Meine Zwillingsschwester Sabrina war viel kleiner wie ich, sie war 38 cm groß und wog 1220 gr.

Danach haben die mich nach Herford in die Kinderklinik gebracht, weil es in Bielefeld keine freien Beatmungsplätze gab. Die dachten doch wirklich, ich könnte noch nicht alleine atmen. So ein Unsinn, natürlich konnte ich schon alleine atmen, das habe ich denen in Herford aber sofort bewiesen. Darum wurde ich auch nur einen Tag beatmet, und dann nach Bielefeld zurückgebracht. Wir durften dann aber nicht nach Hause, sondern mussten in die Kinderklinik. Mein Papa hat uns ganz oft besucht, wie Mama aus der Klinik raus durfte kam sie natürlich immer mit.

Es dauerte 6 Wochen bis wir nach Hause durften. Wir bekamen so komische Geräte mit, die hießen Graesby Atemmonitor. Die piepsten manchmal so lustig, dann wurde Papa immer ganz hektisch. Dabei war sowieso jedesmal nur das Pflaster mit dem Sensor ab, oder das Kabel kaputt.

Wie ich nach Hause kam, ging das auch gleich mit der Krankengymnastik los, ich musste dauernd zum Turnen, weil ich mich schon in der Klinik kaum bewegt habe. Ich hatte aber auch keine Lust mich zu bewegen, und wenn ich es wollte, klappte es nicht richtig.

Meine Zwillingsschwester konnte alles viel eher wie ich, das hat mich manchmal schon ziemlich geärgert. Aber dafür konnte ich früher sprechen, und viel besser. Viel reden tue ich jetzt auch noch. Mein Papa sagt manchmal, ich rede wie ein Wasserfall.

Mit 3 durfte ich das erste Mal in einen Kindergarten. Ich hab natürlich sofort kapiert, dass es kein richtiger Kindergarten war, sondern eine Petö Gruppe, weil man so viel turnen musste. Aber es war lustig da, ganz anders wie beim normalen Turnen, vor allem weil da viele andere Kinder waren, wie in einem Kindergarten. Die Konduktorinnen, Klara und Katalin, haben dann auch bald gesagt, ich sollte nicht mehr krabbeln. Die haben mir 4-Punkt Stöckchen gegeben, mit denen ich gehen sollte. Das war anstrengend, aber viel schöner wie krabbeln. Nur mit Ärzten und Therapeuten hatte ich dann Stress, weil die meinten ich sollte noch nicht laufen. Mein Papa sagte aber ich darf, da hab ich lieber auf meinen Papa gehört.

Mit 4 durfte ich dann endlich in einen richtigen Kindergarten, da gab es auch andere Kinder mit einer Behinderung, aber auch viele die nicht behindert waren. In dem Kindergarten hatte ich immer ganz viel Spass, und ich hab jetzt noch einen Freund aus der Kindergartenzeit.

Wie ich fast 5 war, hab ich meine Eltern total überrascht. Ich konnte nämlich auf einmal gehen ohne mich festzuhalten! Na, die haben gestaunt. Okay, okay... erstmal konnte ich nur 3 Meter, aber vorher hab ich ja immer noch meine 4-Punkt Stöckchen gebraucht

Jetzt bin ich schon 8, und gehe schon in die Schule. Weil ich auch nicht so gut sehen kann, gehe ich in eine Sehbehinderten-Schule. Obwohl ich in meiner Klasse das einzige Kind bin, dass nicht so gut gehen kann, komme ich gut zurecht. Naja, im Schulgebäude komme ich mit dem Gehen ganz gut zurecht, nur bei den Treppen und auf dem Schulhof brauche ich manchmal Hilfe. Weil ich nette Klassenkameraden habe, und nette Lehrerinnen ist das aber alles kein Problem. Am liebsten mag ich Rechnen; Schreiben und Lesen gefällt mir nicht so gut.

Nachmittag hab ich oft Therapie. Ich mache Krankengymnastik, Ergo, Schwimmen (ich kann schon Rückenschwimmen) und Hippotherapie. Mein Lieblingspferd ist Pedro, weil Pedro schneller ist wie die anderen Pferde. Reiten würde ich am liebsten jeden Tag, aber leider darf ich nur 1x pro Woche

Wenn ich keine Therapie habe, spiele ich mit meinen Geschwistern oder mit Freunden aus der Nachbarschaft. Beim Uno und beim Mensch-Ärger-dich-nicht gewinne ich fast immer. Ich male auch sehr gerne, und ich fahre gerne mein Reha-Fahrrad. Am liebsten zur Eisdiele, da überrede ich Papa dann immer mir ein grosses Eis zu kaufen. Manchmal spiele ich auch am Computer, am liebsten “Pinball”. Leider darf ich aber nur selten an den Computer.

So, ich denk jetzt hab ich genug erzählt. Wenn ihr noch mehr wissen wollt, könnt ihr ja einfach meinem Papa eine Mail schreiben. Übrigens... wenn ihr was in mein Gästebuch schreibt, würde ich mich freuen, denn ich möchte doch gerne wissen, wer mich hier besucht.